Seit Juni 2015 führt Anna Kraft die Zuschauer durch die "ZDF SPORTreportage" (sonntags, 17.10 Uhr).

ZDF / Nadine Rupp / Ruppografie


Von einer Tageszeitung wurde Anna Kraft letztes Jahr als "das schöne Gesicht des ZDF bei der EM" bezeichnet. Was sie selbst davon hält? "Ich weiß, es ist nett gemeint, aber ich brauche das tatsächlich nicht. Ich muss nicht aufgrund meines Aussehens beurteilt werden, sondern aufgrund meiner Leistung."

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Anna Kraft weiß genau, welche Frage sie nicht mehr hören kann: "Wie ist es so, als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten?"

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Fußballfans unter sich: Sportmoderatorin Anna Kraft ist mit dem Fußballkommentator Wolff-Christoph Fuss liiert.

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Anna Kraft fing ganz klassisch beim Radio an, hat dann in diversen Presseabteilungen beim Fußball reingeschnuppert, und irgendwann zog es sie zum Fernsehen. Mit ihren 31 Jahren gehört sie bereits zu den beliebtesten Sportmoderatorinnen im Land.

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Frauen und Fußball? Das passt perfekt zusammen, wie man an Sportmoderatorin Anna Kraft sieht.

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Hier sind Sportmoderatorinnen unter sich: Anna Kraft (links) und Laura Wontorra 2016 in Düsseldorf.

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Das Thema Sport liegt Anna Kraft im Blut: "Mein Papa hat Fußball gespielt, mein Bruder hat gekickt, bei uns hat sich das ganze Leben um Fußball gedreht. Da wurde das Abendessen tatsächlich auch dem Spielplan angepasst."

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Anna Kraft

Anna Kraft – „Wenn das rote Licht angeht, fühle ich mich zu Hause“

von Amelie Heinz in Stars

Geht es um die beliebtesten Sportmoderatorinnen, kommt man an ihr nicht mehr vorbei: Seit Juni 2015 führt Anna Kraft durch die "ZDF-SPORTreportage" (sonntags, 17.10 Uhr) - im Wechsel mit Rudi Cerne und Norbert König. Auch bei diversen Sport-Großereignissen wie etwa der zurückliegenden Fußball-Europameisterschaft kommt die sympathische Moderatorin zum Einsatz. Im Februar moderiert die 31-Jährige auch die Bob-Weltmeisterschaft, die vom 13. bis 26. Februar in Königssee stattfindet, Anna Kraft wird am Samstag, 25. und Sonntag, 26. Februar, auf Sendung sein (ab 10.40 Uhr). Die attraktive TV-Frau kommt selbst vom Profisport - Kraft war früher professionelle Leichtathletin. Beim Gespräch in München verriet sie, wie sie sich heutzutage fit hält, welche Fragen am meisten nerven und wer zu Hause beim Fußballschauen lauter wird: sie, oder ihr Freund, der von Sky bekannte Fußballkommentator Wolff-Christoph Fuss.

teleschau: Welche Frage können Sie als Sport-Moderatorin überhaupt nicht mehr hören?

Anna Kraft: "Wie ist es so, als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten?" - Wie soll das denn sein? Die Welt, also auch die Sportwelt, hat sich eben verändert, dass da jetzt eine Frau moderiert, das ist doch eigentlich nicht mehr ganz neu. Warum wird das also noch immer hinterfragt? Warum wird das immer noch so groß besprochen?

teleschau: Es gab während der Euro 2016 diverse hässliche Kommentare im Internet, als Ihre Kollegin Claudia Neumann Spiele kommentierte. Was dachten Sie, als Sie davon hörten?

Kraft: Ja, die Kommentare waren zum Teil extrem unter der Gürtellinie. Man kann dem Fernsehzuschauer natürlich nicht aufdrängen, dass er etwas gut finden muss. Zum Glück gibt es immer solche und solche. Wenn man bei 50:50 ist, also die eine Hälfte mag, was man tut, die andere eben nicht, hat man tatsächlich schon gewonnen. So sehe ich das in meinem Job jedenfalls. Was wiederum im Falle meiner Kollegin passiert ist, da finde ich gar keine Worte für. Ich finde es schrecklich, dass es inzwischen offenbar zur Normalität gehört, über soziale Netzwerke so einen Dreck über Leute abzuladen. Dass eine Frau ein Spiel kommentiert, das ist tatsächlich sehr neu, aber Veränderung gehört zum Leben dazu.

teleschau: Wäre das etwas für Sie, ein Fußballspiel zu kommentieren?

Kraft: Ne, überhaupt nicht. Kommentieren ist tatsächlich nochmal 'ne andere Hausnummer als zu moderieren. Die Frage habe ich mir auch nie gestellt, das sind zwei völlig unterschiedliche Jobs. Wie Metzger und Arzt (lacht).

teleschau: Ist es bei anderen Sportarten leichter für Frauen oder genauso schwer?

Kraft: Wahrscheinlich leichter. In anderen Sportarten sind die Sportfans einfach etwas gnädiger.

teleschau: Sie wurden von einer Tageszeitung einmal als "das schöne Gesicht des ZDF bei der EM" bezeichnet. Freut Sie so etwas, oder machen Sie solche Kommentare eher wütend?

Kraft: Das ist eine absolute Klischee-Schlagzeile. Ich weiß, es ist nett gemeint, aber ich brauche das tatsächlich nicht. Ich muss nicht aufgrund meines Aussehens beurteilt werden, sondern aufgrund meiner Leistung. "Das ist der schöne Sportmoderator bei der EM", wäre doch auch nie eine Überschrift?

teleschau: Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Kraft: Ich habe früher selber Leistungssport gemacht, jetzt habe ich das Privileg, dass ich mein Hobby zum Beruf machen durfte. Und ich bin wahnsinniger Fußball-Fan. Es ist ein simples Spiel, mit simplen Regel, und es gibt keinen Unterschied zwischen jung, alt, arm, reich und zwischen einzelnen Religionen. Das fasziniert mich an Fußball einfach sehr.

teleschau: Und wie sind Sie schließlich vor der Kamera gelandet?

Kraft: Das war eigentlich nicht mein Ziel. Ich wollte Sportjournalistin werden, ich habe auch Sport studiert, dann klassisch beim Radio angefangen und in diverse Presseabteilungen beim Fußball reingeschnuppert, irgendwann zog es mich dann zum Fernsehen. Tatsächlich habe ich da alles von der Pike auf gelernt, war Redakteurin, schrieb Spielzusammenfassungen und so weiter. Der Rest war dann Zufall. Mein damaliger Chef sagte eines Tages zu mir: "Ach mach doch, probier doch mal aus, wie es für dich so vor der Kamera ist." Einmal Blut geleckt, wollte ich dann nicht mehr aufhören.

teleschau: Also waren Sie ein Naturtalent ...

Kraft: Das haben Sie jetzt gesagt (lacht). Man muss sicherlich ein bisschen was mitbringen, es kommt darauf an, ob man telegen ist, ob man vor einer Kamera oder vor Menschen sprechen kann oder nicht. Wenn einem die Vorstellung Bauchschmerzen und hektische rote Flecken verursacht, dann sollte man überlegen, ob das der richtige Job ist. Aber ich mochte das von Anfang an. Wenn das rote Licht angeht, bin ich voll da. Da fühle ich mich zu Hause.

teleschau: Sind Sie trotzdem noch hin und wieder nervös?

Kraft: Die letzte große Nervosität kam nach meinem Wechsel zum ZDF, da habe ich den Supercup zwischen Wolfsburg und Bayern München moderiert. Bei den rund zehn Millionen Zuschauern hatte ich dann schon ziemlich Herzklopfen. Aber nach der Begrüßung war alles wieder gut.

teleschau: Sie waren professionelle Leichtathletin, warum sind Sie beim Fußball gelandet?

Kraft: Naja, Fußball liegt bei mir in der Familie doch ein wenig in der DNA. Mein Papa hat Fußball gespielt, mein Bruder hat gekickt, bei uns hat sich das ganze Leben um Fußball gedreht. Da wurde das Abendessen tatsächlich auch dem Spielplan angepasst, Ich selbst bin mit meinen Sandförmchen nicht im Sandkasten, sondern auf dem Ascheplatz großgeworden, da wo mein Papa auch Trainer war.

teleschau: War die Mama da nicht mal traurig, dass sich ihr kleines Mädchen zu so einem Papa-Kind entwickelte?

Kraft: Ach, ich glaube, dass ich von meiner Mama doch auch ein bisschen was abgekriegt habe. Ich bastel gerne, gehe gerne shoppen. Das ist ganz gut verteilt, denke ich (lacht).

teleschau: Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Bundesligaspiel im Stadion?

Kraft: Ich glaube das war '97, Dortmund gegen Bremen.

teleschau: Das kam ja wie aus der Pistole geschossen ...

Kraft: Ja, das Bild dieser schwarz-gelben Wand und dieser Mythos BVB hat mich schon sehr beeindruckt.

teleschau: Sind Sie eigentlich auch Fan?

Kraft: Wenn ich meinen Job antrete, dann bin ich kein Fan. Das muss man ausklammern, das gehört zur Professionalität. Ich habe aber Sympathien mit Leverkusen, weil ich da selbst im Sportinternat war und sozusagen früher mit im Boot saß.

teleschau: Welchen Sport schauen Sie sich gerne in Ihrer Freizeit an?

Kraft: Das letzte Jahr, 2016, war exemplarisch für meinen Sportkonsum, ich habe bei Olympia alles aufgesaugt. Ich habe mir sogar den Wecker gestellt, um in der Nacht die Wettkämpfe zu verfolgen. Dann hat meine Schulkollegin Laura Ludwig im Beachvolleyball auch noch Gold gewonnen, das war unglaublich. Sport ist einfach toll.

teleschau: Ihr Freund Wolff-Christoph Fuss ist Fußballkommentator - wer von Ihnen beiden wird zu Hause lauter, wenn Sie gemeinsam am Sofa ein Spiel anschauen?

Kraft: Vielleicht ich. Ich kann ganz gut schimpfen (lacht). Wir gehen bei Spielen zu Hause oder im Stadion aber beide immer ganz gut ab. Fußballkucken geht einfach immer, da sind wir uns einig.

teleschau: Hat er einen Verein, den er bevorzugt?

Kraft: Er hat Sympathien mit dem 1. FC Köln, obwohl wir beide in München leben. Natürlich schauen wir uns den FC Bayern gerne an, weil da toller Fußball gespielt wird, aber die Leidenschaft liegt eben wo anders. Ich bin schließlich auch nicht in München geboren.

teleschau: Reden Sie mit Ihrem Mann zu Hause viel über Arbeit?

Kraft: Das lässt sich schwer vermeiden. Wir hatten schließlich beide das unglaubliche Glück, unsere Leidenschaft zum Beruf machen zu dürfen. Aber natürlich auch nicht nur. Wir reden auch darüber, wer einkaufen geht.

teleschau: Sie betreiben neben Ihrer Arbeit auch den Fitness-Blog "Fräulein Sportschuh". - Haben Sie dafür überhaupt noch genügend Zeit?

Kraft: Ich bin momentan sehr viel unterwegs, da leidet mein Blog doch so ein bisschen. Außerdem stecke ich jetzt in einem Buchprojekt, womit ich im März an den Start gehen werde. Dem Ganzen habe ich sehr viel Zeit gewidmet.

teleschau: Wie oft in der Woche trainieren Sie denn noch?

Kraft: Ich versuche schon so drei- bis viermal die Woche zu trainieren, alles andere ist on top.

teleschau: Ganz schön fleißig!

Kraft: Ich brauche das tatsächlich als Ausgleich zu meinem Beruf. Da ich so lange Jahre Leistungssport gemacht habe, kribbelt's bei mir, wenn mir der Sport fehlt, und ich krieg Hummeln im Popo.

teleschau: Wie trainieren Sie?

Kraft: Wenn ich zu Hause in München bin, dann gehe ich so oft es geht ins Fitnessstudio, da bin ich ein Freak. Wenn ich dagegen in irgendeinem Hotel abhänge, mache ich auch auf dem Zimmer Sport: gute Mucke an, Kniebeugen, Squads, da kommt man schon sehr weit.

teleschau: Haben Sie denn auch Fehler?

Kraft: Ich habe auch 'nen Schweinehund. Aber ich denke immer daran, wenn ich jetzt eine Woche Pause mache, dann tut's ja danach noch viel mehr weh. Und das schreckt mich ab. Aber, hey, ich esse auch gerne Süßigkeiten, um Schokolade kann ich auch definitiv keinen Bogen machen. Ich bin außerdem kein Fan von Diäten, von so etwas halte ich einfach gar nichts. Man sollte sich einfach bewusst ernähren, dann machen auch die kleinen Sünden nichts aus. Ich liebe zum Beispiel meine Stadion-Wurst.

teleschau: Würden Sie gerne einmal wieder an einem Sportwettkampf teilnehmen?

Kraft: Ich habe tatsächlich dieses Jahr zum ersten Mal wieder darüber nachgedacht. Das ist meine eigene kleine Challenge für die Zukunft.

teleschau: Kommt in Zukunft vielleicht ein Wechsel zum "Aktuellen Sportstudio"?

Kraft: Ach, ich bin in der Vergangenheit immer gut damit gefahren, dass ich mir keine expliziten Ziele gesetzt habe. Ich will immer bestmöglich abliefern in meinem Beruf und dann mal sehen, wohin der Weg geht.