"Das Wienerische hat Ausdrücke, die es im Hochdeutschen so nicht gibt": Nora Waldstätten fühlt sich nicht nur ihrer österreichischen Heimat verbunden, sondern auch ihrem Dialekt.

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Ihre stechend grünen Augen und der gestrenge Blick sind das Markenzeichen der Nora Waldstätten.

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Nora Waldstätten und Matthias Koeberlin ermitteln seit 2014 in der ZDF-Reihe "Die Toten vom Bodensee".

ZDF / Petro Domenigg


In "Die Toten vom Bodensee" spielt Nora Waldstätten die kühle Kommissarin Hannah Zeiler.

ZDF / Erika Hauri


"Man bekommt etwas übergestülpt, das hat mich gestört": Nora Waldstätten distanziert sich von dem Bild, das viele Medien von ihr verbreitet haben.

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Im Februar feierte "Wilde Maus" auf der Berlinale Premiere. In dem Film von Josef Hader spielt Nora Waldstätten eine ehrgeizige Journalistin.

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In "Altes Geld" spielte Nora Waldstätten die Schwester - und Geliebte - von Manuel Rubey.

ORF / Superfilm


An der Seite von Édgar Ramirez spielte Nora Waldstätten in Olivier Assayas' Drama "Carlos - Der Schakal" (auf DVD und BD erhältlich).

2009 Film En Stock - Egoli Tossell Film / Jean Claude Moireau


"Mein Zuhause und meine Heimat ist Wien. Berlin ist meine Wahlheimat", sagt Nora Waldstätten.

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"Manch einer hätte vielleicht nicht damit gerechnet, dass ich auch komödiantisches Talent besitze", glaubt Nora Waldstätten.

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Nora Waldstätten

Nora Waldstätten – Keine Baronesse mehr

von Sven Hauberg in Stars

Zum Jahreswechsel war es plötzlich weg, das "von" im Namen der Nora Waldstätten. Im Gespräch anlässlich ihres neuen ZDF-Films "Die Toten vom Bodensee - Die Braut" (Montag, 1. Mai, 20.15 Uhr) erklärt die 35-jährige Wienerin, warum sie ihren Künstlernamen geändert hat, und sie spricht darüber, wie sie mit ihrem Image als kühle, unnahbare Person zurechtkommt. Denn auch im "Bodensee"-Krimi spielt Waldstätten einmal mehr diesen scheinbar gefühlskalten Typ Frau, als der sie schon vor Jahren einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Dabei schlummere in ihr sogar ein komödiantisches Talent, wie die Schauspielerin mit den stechend grünen Augen im Interview betont.

teleschau: Frau Waldstätten, warum haben Sie das "von" aus Ihrem Künstlernamen gestrichen?

Nora Waldstätten: Ich hatte das Gefühl, dass das "von" zu Annahmen über meine Person geführt hat, die überhaupt nichts mit mir zu tun haben oder damit, wie ich aufgewachsen bin. Ich hatte mit 19 die Idee, mich "von Waldstätten" zu nennen, aber schon seit einiger Zeit fühlte sich das für mich nicht mehr stimmig an. Also habe ich das "von" zum 1. Januar gestrichen.

teleschau: In den Medien wurden Sie immer wieder als "Baronesse" bezeichnet ...

Waldstätten: Genau, man bekommt etwas übergestülpt, das hat mich gestört.

teleschau: Aber hat Sie das Adelsprädikat nicht auch mit Ihrer Familiengeschichte verbunden? Schließlich stammen Sie vom Geschlecht der von Waldstättens ab ...

Waldstätten: Natürlich gibt es diese Familiengeschichte, nur ist das Vergangenheit. Das hat nichts damit zu tun, wie ich aufgewachsen bin. Ich bin zum Beispiel nie in ein Privatinternat gegangen, wie manche vermuten.

teleschau: Man sagt den Österreichern allerdings schon einen gewissen Titel-Fetisch nach.

Waldstätten: Das stimmt. Aber es gibt in Österreich eben auch das Adelsaufhebungsgesetz. Und deswegen hat mein "von" im Künstlernamen für Verwirrung gesorgt. Da musste ich mich immer erklären.

teleschau: Sie leben seit vielen Jahren in Berlin. Da macht man sich mit einem schnöselig klingenden Namen sicher auch nicht beliebt ...

Waldstätten: (lacht) Womit man sich auf jeden Fall beliebt macht, das ist der Wiener Akzent. Als ich frisch nach der Matura nach Berlin gekommen bin, waren alle total verzückt von meinem Dialekt. Damit kann man durchaus punkten.

teleschau: Von Ihrem Wienerisch hört man jetzt allerdings fast nichts mehr. Wo ist der Dialekt geblieben?

Waldstätten: Ich habe vor vielen Jahren mal eine Rolle nicht bekommen, weil der Regisseur meinte, er würde hören, dass ich aus Wien komme. Die Geschichte spielte aber in der ehemaligen DDR, das ging sich also nicht aus. Da war mir klar, dass mein Dialekt auf Kosten meiner Rollenauswahl ging. Im Gespräch mit einem Sprachlehrer an der Schauspielschule wurde mir dann klar, dass es nicht darum geht, etwas auszumerzen, sondern darum, etwas dazuzugewinnen. Ich konnte eine neutrale Sprache finden, von der aus ich in alle möglichen Richtungen gehen kann.

teleschau: Und zurück in der Heimat fallen Sie wieder zurück ins Wienerische?

Waldstätten: (in breitem Wienerisch): Sichalich! Dann kommen all die wunderbaren Worte wieder.

teleschau: Können Sie nachvollziehen, dass die Deutschen das Wienerische so charmant finden?

Waldstätten: Absolut. Das Wienerische hat Ausdrücke, die es im Hochdeutschen so nicht gibt. "Hoppala" oder "Schmäh" zum Beispiel, oder "Das geht sich aus". Das ist ein super Satz, der fast immer geht.

teleschau: Wo ist Ihre Heimat?

Waldstätten: Mein Zuhause und meine Heimat ist Wien. Berlin ist meine Wahlheimat. Ich hatte das große Glück, dass ich in Berlin an die Universität der Künste aufgenommen wurde. Als ich fertig war mit dem Schauspielstudium, war ich so verwoben mit der Stadt, dass ich gar nicht mehr weg wollte. Heute versuche ich, in beiden Städten so oft wie möglich zu sein.

teleschau: Sie sagten vor einigen Jahre einmal, dass es für eine Schauspielerin wichtig ist zu wissen, wofür man steht. Wofür stehen Sie heute?

Waldstätten: Ich habe immer versucht, Rollen zu finden, die besonders sind. Figuren, die eine Reise durchmachen und durch ein Nadelöhr müssen. Ich möchte nur Filme spielen, an die ich glaube. In den letzten Jahren war es mir auch wichtig, meine komödiantische Seite zeigen zu können.

teleschau: Sie spielen auf Ihre Rollen in den Josef-Hader-Filmen an ?

Waldstätten: Genau, "Wilde Maus" von Josef Hader oder "Das ewige Leben" von Wolfgang Murnberger mit Hader in der Hauptrolle, oder auch "Nachtschicht - Ladys First", wo ich eine Krankenschwester mit Stand-up-comedy-Ambitionen spielte.

teleschau: Aber auch in "Wilde Maus" spielen Sie den eher kühlen, unnahbaren Typ Frau. Die wenigsten würden Sie wohl mit lustigen Rollen in Verbindung bringen ?

Waldstätten: Meine Freunde und meine Familie behaupten das Gegenteil - die finden mich lustig und nahbar.

teleschau: Der Fernsehzuschauer verbindet aber nun mal gewissen Rollen mit Ihnen ...

Waldstätten: Manch einer hätte vielleicht nicht damit gerechnet, dass ich auch komödiantisches Talent besitze.

teleschau: Gab es einen Moment, als Ihnen bewusst wurde, dass Sie dieses Image haben? Etwa, als Sie 2009 im "Tatort: Herz aus Eis" als mordende Internatsschülerin zu sehen waren?

Waldstätten: Ich hatte das Glück, dass ich immer sehr komplexe, herausfordernde Rollen spielen durfte. Aufgrund dieser Rollen hat sich das Image entwickelt, über das ich fast schmunzeln muss, weil es so wenig mit mir zu tun hat. Um so schöner finde ich es, dass ich auch mal ganz andere Seiten in meiner Arbeit zeigen konnte.

teleschau: Viele Menschen neigen dazu, eine Rolle mit dem Schauspieler gleichzusetzen!

Waldstätten: Ja, das stimmt! Die Menschen sind oft überrascht, wenn sie mich persönlich erleben, weil ich so anders bin als die kühlen Rollen. Es ist schön zu merken, wie die Leute dann ihre Meinung über mich überdenken

teleschau: Josef Hader hat mal einmal gesagt, dass keiner seiner Wolf-Haas-Filme Gewinn gemacht hat. Braucht man als Schauspieler so etwas wie eine erfolgreiche ZDF-Reihe, um sich auch so kleine Projekte leisten zu können?

Waldstätten: Ich habe schon vor Jahren für mich entschieden, meine Lebenshaltungskosten niedrig zu halten, um als Künstler meine Entscheidungsfreiheit wahren zu können. Man muss sich nämlich ein Low-Budget-Projekt auch leisten können. In meinem Beruf weiß man nie, wie sich das nächste Jahr gestaltet. Mit Menschen wie Josef Hader, David Schalko oder Olivier Asssayas arbeiten zu dürfen, ist auf jeden Fall ein Traum.

teleschau: Mit David Schalko haben Sie zuletzt die bitterböse Serie "Altes Geld" gedreht. Warum machen die Österreicher die coolen Sachen, und die Deutschen schaffen das einfach nicht?

Waldstätten: Keine Ahnung. Der Output an guten österreichischen Filmen ist allerdings bemerkenswert.

teleschau: Haben die Österreicher den besseren Humor?

Waldstätten: Das will ich jetzt nicht werten. Aber der Wiener Schmäh ist halt der Wiener Schmäh (lacht)!