Alexa Feser | Zwischen den Sekunden

Alexa Feser: Zwischen den Sekunden – Ein guter Schritt

von Claudia Nitsche in Musik

Die Zeit ist eine fiese Komponente. Musiker, die sich selbige nehmen, um ein neues Album aufzunehmen, werden vergessen. Denn sie läuft ihnen davon, die Zeit. Es war 2014, eine halbe Ewigkeit, da Alexa Feser "Das Gold von Morgen" sein sollte, mit einem von Andreas Herbig (Ich+Ich) produzierten Album. Und erst jetzt kommt mit "Zwischen den Sekunden" ein neues Statement der schönen Wiesbadenerin, die schon vor vielen Jahren nach Berlin umsiedelte. Hat sich das Zeitinvestieren gelohnt?

Uninteressiert an den Regeln des Marktes scheint sie gereift zu sein. Einfach für sich. Die innere Sicherheit kann man in ihrer Stimme hören. Sie ist klar und präzise, kein Vielleicht, kein Sich-kleiner-machen-als-man-ist. Alexa Feser sagt über sich, dass bei ihr nichts Neues entstehe, wenn es zu bequem wird. Daher ist sie innerhalb Berlins umgezogen und holte sich ihre Inspiration am Alexanderplatz.

Da wäre man von selbst vielleicht nicht darauf gekommen, denn Alexa Fesers Worte sind immer noch eher groß als klein. Und so könnte "Zwischen den Sekunden" erfolgreicher werden als "Gold von morgen", das es unter die Top 20 schaffte. Denn vielleicht ist die Zeit einfach reif für eine Frau, die schon sehr lange an ihrer Musikkarriere arbeitet. Die 37-Jährige spielte bereits im Kleinkindalter professionell Klavier, war später begehrte Backgroundsängerin auf der Suche nach ihrem eigenen Ding. An diesem hat sie jetzt über zwei Jahre gearbeitet, sogar den Termin der Veröffentlichung zweimal nach hinten geschoben.

Ihre Stärke ist ihre Stimme. Wenn die wie bei "Herz aus zweiter Hand" im Vordergrund steht, ist sie ganz groß. Auch wenn sie gegen Opulenz ansingen kann, wirkt Feser besser ohne all die Streicher, die dem Ganzen Drama verleihen, das gar nicht so gut passt zu den nachvollziehbaren, alltagstauglichen deutschen Texten. Sie ist und meint alles ernst, auch Kleinigkeiten, die sie geschickt zu erzählen vermag. Das klappt bei nachdenklichen Songs wie "Linie 7" oder dem spartanischen "Rückwärtstag", der einmal mehr Traurigkeit mit Würde präsentiert.

Richtig gut tut dem seriösen Album die Single "Wunderfinder" mit Rapper Curse. Zwar ist das kein Gute-Laune-Song, aber doch ein Schritt zur Seite, neben die getragenen Pianopräsentationen. Der Platz, den sie für ein bisschen Rap freigibt, dürfte sich lohnen. Der tolle Kontrast ist schwer hitverdächtig und inhaltlich am Puls der Zeit. Denn es lohnt immer wieder, den Menschen ihre gelebte Lethargie bewusst zu machen.

Ihr gefühlvoller Pop kann ganz schlicht sein oder große Klanglandschaften bilden. Damit wird Alexa Feser in einer übersichtlichen Musikerinnenwelt weitere Stufen erklimmen, denn Feser ist auf dem Weg und kommt ihrer Durchhalteparole, das Gold von morgen sein zu können, näher.

Bewertung ausgezeichnet
CD-Titel Zwischen den Sekunden
Bandname/Interpret Alexa Feser
Genre Pop
Erhältlich ab 21.04.2017
Label Dolcerita / Warner
Vertrieb Warner