Günther Kompalla (Heiner Lauterbach) und Interpol-Agentin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) nehmen eine Fertigungshalle für Medikamente in Indien unter die Lupe.

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Ermittlerin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) kämpft einen ungleichen Kampf gegen die globale Pharma-Mafia.

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Die beiden engagierten Mediziner Katrin Kompalla (Luise Heyer) und Kiran Chitre (Arfi Lamba) sind ein Paar. Auf den Straßen Mumbais, wo die Anzahl gefälschter Medikamente absurd hoch ist, kämpfen sie für die Armen und Kranken.

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Auf dem Empfang der EU-Kommission (von links): Pharma-Expertin Vera Edwards (Maria Furtwängler), "Poindex"-CEO Roger Adler (Martin Brambach) und der Interpol-Präsident (Francis Fulton-Smith).

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Der schwerkranke Günther Kompalla (Heiner Lauterbach) ist nach Mumbai gereist, weil er der Hochzeit seiner Tochter beiwohnen will.

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Die mächtigen Profiteure des Handels mit gefälschten Medikamenten formieren sich (von links): Banker Matteo Kälin (Ulrich Matthes), CEO Roger Adler (Martin Brambach) und Lobbyistin Professor Vera Edwards (Maria Furtwängler).

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Interpol-Agentin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) spricht vor einem amerikanischen Untersuchungsausschuss.

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Günther Kompalla (Heiner Lauterbach) hat nicht mehr lange zu reden. Nun will er über die Geschäfte mit billigen Fake-Medikamenten reden.

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Die deutsche Ärztin Katrin Kompalla (Luise Heyer) und ihr indischer Lebenspartner, Kollege Kiran Chitre (Arfi Lamba), heiraten nach traditioneller Art in Mumbai.

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Gift | 17.05.2017, 20:15:00 Uhr | ARD

Gift – Mi. 17.05 – ARD: 20.15 Uhr – Die unbekannte Schweinerei

von Eric Leimann in TV

Etwa ein Prozent der in Deutschland erhältlichen Medikamente gilt als gefälscht. Hört sich nicht besonders viel an, sagen Sie? Wenn man jedoch bedenkt, wie viele Leben, wieviel Leid die Summe der Fake-Medikamente kostet, offenbart sich eine von Menschen gemachte Tragödie. In Entwicklungs- und Schwellenländern liegt die Quote unwirksamer oder gar gefährlicher Präparate sogar um ein Vielfaches höher. Pharmahersteller, Banken und Lobbyisten profitierten von diesem Geschäft. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO setzt es jährlich bis zu 430 Milliarden US-Dollar um. Der preisgekrönte Investigativ-Journalist und Filmemacher Daniel Harrich ("Der blinde Fleck", "Meister des Todes") lässt seinem starbesetzten Thriller "Gift" die Dokumentation "Gefährliche Medikamente - gepanscht, gestreckt, gefälscht" folgen.

Bei einer Razzia im deutsch-tschechischen Grenzgebiet findet Ermittlerin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) eine große Anzahl gefälschter Krebsmedikamente. Diese sollten an den Münchener Pharmahändler "KompaPharm" geliefert werden. Dem Besitzer, Günther Kompalla (Heiner Lauterbach), sitzt die engagierte Polizistin wenig später gegenüber.

Kompalla, der nur noch wenige Monate zu leben hat, will vor seinem Tode mit sich und seiner als Ärztin auf den Straßen Mumbais um jedes Leben kämpfenden Tochter (Luise Heyer) ins Reine kommen. Bald jedoch erhält Whistleblower Kompalla Gegenwind aus den (ehemals) eigenen Reihen. Er kommt von jenen Leuten, die am globalen Ausbeutungssystem bestens verdienen. Der Schweizer Investmentbanker Matteo Kälin (Ulrich Mattes) etwa sorgt dafür, dass Kompalla seine Firma nur zu einem Preis weit unter Marktwert los wird, während Wissenschaftlerin und Lobbyistin Vera Edwards (Maria Furtwängler) hinter den Kulissen erreicht, dass sich die mächtigen Reihen der Profiteure - unter anderem Martin Brambach als CEO eines Pharma-Konzerns - gegen die Ermittlungen der Behörden schließen.

Filmemacher Daniel Harrich, 33, konnte bereits mit seinen ersten beiden Spielfilmen, der Münchener Oktoberfest-Attentat-Analyse "Der blinde Fleck" (2013) und "Meister des Todes" (2015) über kriminelle Verstrickungen deutscher Waffenhersteller in höchst unmoralische Geschäfte viel Aufsehen erregen. Nicht nur Filmpreise gab es für Harrichs Arbeit, sondern auch "aktuelle Stunden" und Ermittlungen im Bundestag. Insofern erreichte der junge Filmemacher schon bisher mehr als viele andere, politisch engagierte Künstler es je zu träumen wagten.

Dennoch ist "Gift" Harrichs bislang schwächster Film. Vor allem bei seinen Hauptfiguren arbeitet er ein wenig mit Charakteren von der Stange und bearbeitet Konflikte, die dem klassischen Melodram entliehen sind. Da gibt es die idealistische, aber besessene Ermittlerin, die Kind und Privatleben vernachlässigt ebenso wie ein Vater-Tochter-Verhältnis, welches man eher dem "Herzkino"-Abend sonntags im ZDF zuordnen würde.

Trotz dieser Einschränkung ist "Gift ", vor allem in jenen Szenen, wenn politisch-wirtschaftliche Ränkespiele seziert werden, auch hochspannend, brisant und im Sinne des Öffentlichmachens eines bisher ziemlich unbekannten Globalisierungs-Verbrechens enorm wichtig. Besonders aufregend dürfte die um 21.45 Uhr im Anschluss an den Film folgende Doku werden. Sie wird von Daniel Harrich und seinem Team bis kurz vor Ausstrahlung unter Verschluss gehalten. Man kann davon ausgehen, dass der ein oder andere Pharma-Profiteur leicht schwitzend vor dem Fernsehapparat sitzen wird.

Name der Sendung Gift
Sendedatum 17.05.2017
Sender ARD
Sendezeit 20:15:00
produzierender Sender BR
Genre Thriller
Filmbewertung überzeugend
Genre Thriller
Filmname Gift
Originaltitel
Regisseur Daniel Harrich
Schauspieler Julia Koschitz
Schauspieler Heiner Lauterbach
Schauspieler Maria Furtwängler
Entstehungszeitraum 2017
Land D