Auch ein künstliches Hüftgelenk gibt den Kommissaren Claudius Zorn (Stephan Luca, rechts) und Schröder (Axel Ranisch) Rätsel auf.

MDR / Gordon Muehle


Die Kommissare Claudius Zorn (Stephan Luca, links) und Schröder (Axel Ranisch) bekommen es in ihrem fünften Fall mit absurden Dingen zu tun.

MDR / Gordon Muehle


Die Leiche des Wärters Bertram (Antonio Wannek) wird im Elefantenhaus des Hallenser Zoos gefunden. Schröder (Axel Ranisch, rechts) will eine Blutprobe. Zorn (Stephan Luca) pflichtet bei.

MDR / Gordon Muehle


Das Mädchen (Yamuna Kemmerling) nervt Schröder (Axel Ranisch), sie kennt sich mit Hüftgelenken aus, weil ihr Vater Orthopäde ist.

MDR / Gordon Muehle


Da ist er wieder: Bertram Bertram Koszczyck (Antonio Wannek, links) stolpert zu Beginn im Fischregen über Claudius Zorn (Stephan Luca).

MDR / Gordon Muehle


Claudius Zorn (Stephan Luca) will vom Ex-Sänger Gregor Zettel (Devid Striesow) wissen, wo dessen Frau Donata ist. Doch der lallt ihm nur Nichssagendes entgegen.

MDR / Gordon Muehle


Zorn (Stephan Luca) trifft Schröder (Axel Ranisch) bei Malinas (Katharina Nesytowa) Geburtsvorbereitungskurs. Er ist für ihn eingesprungen.

MDR / Gordon Muehle


Claudius Zorn (Stephan Luca, links) und Schröder (Axel Ranisch) müssen zusammen übernachten. Ein Stromausfall in Halle - keine Straßenbahn mehr - zwingt sie dazu.

MDR / Gordon Muehle


Malina (Katharina Nesytowa) tröstet Zorn (Stephan Luca) mit dem Namen seines Kindes. "Wir nennen ihn Horst!" Horst, wie das Tief über Halle.

MDR / Gordon Muehle

Zorn - Kalter Rauch | 01.06.2017, 20:15:00 Uhr | ARD

Zorn – Kalter Rauch – Do. 01.06 – ARD: 20.15 Uhr – In Halle regnet es Fische vom Himmel

von Wilfried Geldner in TV

Es regnet Fische - einzeln zuerst in Nahaufnahme, und dann immer mehr, zu krähenhaftem Geschrei. Das Pflaster ist blutrot, und im Radio wird vermeldet, dass das alles damals in Australien genau so war. Schuld an alldem ist womöglich das Sturmtief "Horst", das die Fische irgendwo im Atlantik aufgesogen hat und sie nun über Halle an der Saale herabregnen lässt. Vielleicht aber sind die Fische auch nur dazu da, um Kommissar Claudius Zorn (Stephan Luca) zu ärgern, der Fische so gar nicht mag. Das Absurde schlägt Volten im fünften "Zorn"-Krimi, dessen Drehbuch abermals Stephan Ludwig, der Autor der Romanvorlagen, selbst geschrieben hat.

Man könnte ihnen stundenlang zusehen, diesem Kommissar Zorn (Lucas) und Schröder, seinem so lustigen wie intelligenten Gesellen, den Axel Ranisch so herrlich relaxt über den Dingen stehend spielt. Der "Fall", wenn man die vor sich hin kreisende Handlung so nennen darf, wird bei dieser Passgenauigkeit zur Nebensache. Das Wie, das Zusammenspiel zwischen den beiden, ihr schweigendes Einverständnis und ihre sanften Widerworte, ist beinahe schon alles.

Einfach klasse, wenn Ranisch in der Türe steht und zuschaut, wenn Zorn die Freundin besucht, bei der er das Zimmer für das erwartete Kind streichen will, sie aber trocken zur Antwort gibt: "Ist gestern abend fertig geworden." Ach Gott, was hat man schon alles an Beziehungskisten jedweder Kommissare ertragen müssen, die auflockern sollten und dann doch nur als lästige Bremsereien fungierten. Hier ist es anders: Wenn Zorn den Bauch seiner Freundin Malina (Katharina Nesytowa) betastet und zum Urteil kommt: "Das wird 'n Junge!", ist das so tragikomisch in seiner versuchten Nähe, wie es sich nur denken lässt. Ranisch, der ewige Katalysator, ist daran nicht ohne Schuld.

Später wird Schröder bei der Geburtsgymnastik den Lückenbüßer auf violetten Bällen machen. "Sich einbringen", wie er und die leitende Therapeutin das nennen. "Aber du bist der Papa", tröstet er danach vor einer Hallenser Hochhauskulisse den Kollegen und Freund. Diesmal ist er der Chef, das hat sich der Autor Stephan Ludwig so ausgedacht. Die Umkehrung schweißt die auch im Amt sehr privat wirkenden Kommissare noch mehr zusammen als sonst - auch wenn sie meist getrennte Recherchewege gehen.

Das muss so sein, denn bei der Fischreinigung wird auf der Straße ein künstliches Hüftgelenk gefunden, dem es nachzuspüren gilt. Eine Indizienkette aus Kennungsziffer, DNA und schließlich gar Exhumierung setzt ein. Das Gelenk - wie wurde es hinein-, erst recht: wie herausoperiert? - gehört mutmaßlich zu Donata (Judith Engel), der Frau des Gregor Zettel, der sich in einem ewig wiederkehrenden running gag einer Dame namens Alma (Steffi Kühnert) erwehren muss. Alma fordert immer wieder 12.000 Euro von Zettel ein. Er (der mit Dietls "Zettel" nichts zu tun hat) war mal Popsänger und mit einem "schwarzen Loch" im All mal ganz groß in den Charts. Jetzt lallt er der ihn Quälenden nur immer wieder ein vernuscheltes "Jaja, jajaja" entgegen und stiert dabei, der Welt entrückt, vor sich hin. Eine tollkühne Nummer legt Devid Striesow da hin. Sein Wahnsinn gibt Schröder natürlich beste Gelegenheit, Mitleid mit ihm zu empfinden.

Schade, dass sich das Ganze zum Ende hin immer mehr zur schwarzen Farce à la Coen Brothers wenden muss. Es geht in die Drogenwelt hinein und versus russische Mafia. Irgendwann taucht Donata auch wieder auf, die zuvor schon Zettel im Wahn erschien (in einer wiederum wunderbaren Szene). Die quälende Alma hingegen wird von ihm mittels Insulin-Verweigerung gemeuchelt - er setzt der Leiche hinterher eine Sonnenbrille auf und bindet ihr den Kiefer hoch. Der Crystal-Meth-Versatz in der Heizkörperlieferung - geschenkt, wie auch der optisch furiose Showdown auf dem Hallenser Schrottplatz sich einigermaßen in die Länge zieht.

Dass das nun der letzte "Zorn"-Krimi gewesen sein könnte, wie zu hören war, mag man nicht hoffen. Dazu sind all die leisen Slapsticks, stummen Gags und schönen Sentenzen viel zu gut. Unter den kalauernden Kommissaren sind Schröder und Zorn jedenfalls privat wie beruflich die besten.

Name der Sendung Zorn - Kalter Rauch
Sendedatum 01.06.2017
Sender ARD
Sendezeit 20:15:00
Genre Kriminalfilm
Filmbewertung überzeugend
Genre Kriminalfilm
Filmname Zorn - Kalter Rauch
Originaltitel
Regisseur Andreas Herzog
Schauspieler Stephan Luca
Schauspieler Axel Ranisch
Schauspieler Alice Dwyer
Entstehungszeitraum 2017
Land D