Von Eden | Wir sind hier

Von Eden: Wir sind hier – Das große Dudeln

von Johann Voigt in Musik

Wahrscheinlich hätte es Von Eden ohne die Anarcho-Schnulze "Feuchtgebiete" aus dem Jahr 2013 nie gegeben. Christoph Letkowski spielte den Pfleger Robin - eine Schlüsselfigur. Außerdem schrieb er einen Song zum Film, holte sich drei Musiker dazu - jetzt gibt's eine Band. Das ist die Kurzversion. Schon damals entstand seichter Deutsch-Rock, so, wie er gerne durchs Radio dudelt und dann wieder verschwindet. Ein Hybrid aus Revolverheld und Max Giesinger. Banal, aber eingängig. Jetzt haben Von Eden ihre erstes Album aufgenommen. Die gute Nachricht ist, dass sie mit keinem Label übereinkamen und "Wir sind hier" per Crowdfunding finanzierten. Niemand konnte ihnen also in ihre Musik reinreden. Hat sie das dazu motiviert, mutige Musik zu machen?

"Wir sind gekommen, das Unglück zu beenden", singen sie gleich im ersten Song "Goldene Zeiten", und das könnte programmatisch für den Umsturz stehen. Dreht endlich jemand den von Phrasen und simplen Akkorden untersetzen Deutsch-Pop auf links? Nein. Weder Christoph Letkowski, noch Matthias Preisinger (Violine, Mandoline), Philipp Rohmer (Kontrabass, Bass) oder Nicolai Ziel (Schlagzeug, Percussion) haben bessere Ideen. Das Unglück wird nicht beendet, es nimmt seinen Lauf.

"Gegen den Strich in vollen Zügen", heißt es kurze Zeit später, und es wird klar, dass Von Eden so harmlos sind wie der Schuss aus einer Wasserpistole. Seichter Kuschel-Pop oder wahlweise -Rock schlendert durchs Album, die Melodien bleiben eingängig, die "Oooohs" eindringlich. In den Texten geht es um die großen Themen, um die Reisen, um Veränderung und all das, was sich normale Menschen mit normalen Leben erträumen. Am Ende bleibt: nichts. Denn alles, was Von Eden sagen, singen oder spielen, verpufft nach wenigen Sekunden. Es sind leere Hülsen voller Versprechungen, die letztlich maximal für den Slogan auf einem Turnbeutel herhalten können.

Dass Von Eden hier sind, verändert also absolut nichts. Weder reißen sie Deutsch-Pop aus seinem selbstgefälligen Loch, noch setzen sie ihre Sprache gut genug ein, um Seifenoper-Bilder zu umgehen. "Wir sind hier" ist vergleichbar mit einem Möbelstück von Ikea: Sieht gut aus, macht keine Mühe, wird schnell wieder ausgetauscht. Um Design-Innovation geht's aber nicht. Heißt: Von Eden haben ein weiteres Nebnebei-Album produziert. Was da nun genau gesungen und gespielt wird, spielt gar keine Rolle. Es geht doch nur um das große Dudeln.

Bewertung Zeitverschwendung
CD-Titel Wir sind hier
Bandname/Interpret Von Eden
Genre Pop
Erhältlich ab 11.08.2017
Label Motor
Vertrieb Edel