Götz Alsmann | In Rom

Götz Alsmann: In Rom – Schlager muss man mögen

von Eric Leimann in Musik

Dass Götz Alsmann nicht nur ein talentierter TV-Entertainer, Musiker und Arrangeur ist, sondern auch bekennender Retro-Aktivist, dürfte bekannt sein. Mit "In Rom" schließt der promovierte Musikwissenschaftler nun sein jüngstes Forschungsprojekt ab. Nach "In Paris" (2011) und "Am Broadway" (2014) ist "In Rom" das dritte Album, auf dem Alsmann Klassiker aus einem Unterhaltungs-Epizentrum der Pop-Geschichte interpretiert. Natürlich in den für ihn typischen, stets leicht klingenden Jazz-Bearbeitungen mit deutschen Texten. Diesmal gibt es Titel wie "Volare", "Azurro" oder "Caprifischer" zu hören.

Der ewige Traum von Italien, vor allem auch jener der Deutschen, war wohl nie größer als in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ausgehungert gierte man nach Sonne und Glück, nach Leichtigkeit und Liebe. Allesamt Attribute, die man mit Italien verband. Und Italien, beziehungsweise dessen Popkünstler samt Unterhaltungsindustrie der 50-er und 60-er, wussten eine Antwort. Sie schufen eine Ära mit Welthits, die vorwiegend in Rom entstanden und aufgenommen wurden.

Wie bereits auf Götz Alsmanns feinem, mit dem Jazz-Echo prämierten Album "In Paris" sowie dessen Nachfolger "Am Broadway" war es auch diesmal Konzept, die Lieder in einem klassischen Studio der gewählten Stadt aufzunehmen. "In Rom" entstand im von Ennio Morricone mitgegründeten "Forum Music Village" - mitten im Herzen der italienischen Hauptstadt.

Satte 18 Lieder haben Alsmann und seine fünfköpfige Band auf das Album gepackt: Stücke wie "Arrivederci Roma", "Quando, Quando, Quando" oder "Nel blu dipinto di blu (Volare)". Auch azurroblaue Schlager- und Canzone-Perlen wie "Mambo Italiano", "Come prima" und "Marina" - in einer verspielten Instrumentalversion. Natürlich schwingt der Jazz der Musiker bei jeder Interpretation mit. Dennoch bemerkt man: Das Ausgangsmaterial war stärker als bei den beiden Vorgängeralben von Melodien geprägt, die man wahlweise als genial schlicht oder schmalzig bezeichnen könnte. An die - auch emotionale - Komplexität der besten französischen Chansons oder Broadway-Meisterwerke kommen die Italo-Schlager nicht heran, was sicher auch nie ihre Intention war. Deshalb gilt für Freunde des Retro-Weltenwanderers Götz Alsmann: Man muss dessen Schlagerseite und das alte Italiengefühl der 50-er und 60-er tatsächlich mögen, um diesen Ausflug ins "alte Rom" genießen zu können.

Bewertung überzeugend
CD-Titel In Rom
Bandname/Interpret Götz Alsmann
Genre Jazz
Erhältlich ab 15.09.2017
Label Blue Note
Vertrieb Universal