Philips abgefahrene Visionen
Zukunftsvisionen von Sci-Fi-Starautor Philip K. Dick gibt es nun auch als Serie. "Electric Dreams" läuft in Deutschland ab 12.1. bei Amazon Prime Video. Künstliche Intelligenz, Fragen der Ethik in Zeiten "neuer Möglichkeiten" und nicht zuletzt die Entwicklung der politischen Systeme: Für zahllose SciFi-Werke lieferte Dick Inspiration - ebenso für viele der irren Zukunftsvisionen, die andere Serien parat halten ...

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Reise zur Fake-Erde
Es sind Storys wie "Impossible Planet", die das Werk Philip K. Dicks heute noch relevant machen: Eine betagte Dame will die Erde sehen, von der die Großmutter erzählte. Das Problem: Der Planet existiert nicht mehr. Die Menschheit lebt längst in anderen Regionen der Galaxis. Zwei gelangweilte Weltraum-Touristenführer wollen der gut zahlenden Rentnerin den Trip dennoch ermöglichen. Sie starten eine Fake-Reise zum blauen Planeten.

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Die Bahn lässt vergessen
Irre Zukunftsvorstellung: Ein britischer Angestellter der Bahn (Timothy Spall) findet in seinem Zugnetz eine Haltestelle, die es eigentlich gar nicht gibt. Dort werden Traumata ausgelöscht - in der Folge "The Commuter". Das Problem: Auch ihr wirkliches Leben verändert sich mit, und so findet der Mann zu Hause heraus, dass er niemals jenen Sohn hatte, mit dem er zuletzt so viele Probleme hatte.

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Black Mirror
Die derzeit düstersten - weil realsten - Visionen von der Zukunft liefert die gefeierte Anthologie-Serie "Black Mirror", die erst kürzlich in die vierte Staffel ging. Der Einfluss von Technologie und Internet auf unser Leben gerät in den unterschiedlichen Geschichten meist zur bedrückenden Dystopie. Sogar in der Werbung für das Meisterwerk machte Netflix seine User in "Black Mirror"-Manier zu Entertainment-Zombies.

Netflix / YouTube

Helikopter-Visionen
Helikoptereltern lassen grüßen: "Arkangel" heißt das Programm, mit dem Helikoptereltern in der gleichnamigen "Black Mirror"-Episode ihre Kinder komplett überwachen können. Das Kind mit Chip im Kopf, über den nicht nur sein Standort und seine Körperfunktionen jederzeit verfolgt werden können, sondern auch, was es gerade wahrnimmt - inklusive Blockfunktion für schlimme Dinge wie Blut oder Gewalt. Inszeniert wurde die Folge übrigens von Jodie Foster!

Netflix

Nur am Smartphone
In der "Black Mirror"-Folge "Nosedive" bemisst das Smartphone den gesellschaftlichen Wert eines Menschen an dessen Social-Media-Punkten: Erreicht werden diese jedoch nicht nur online, sondern auch in realen Interaktionen. Die Folge: Eine verstörende Pastellwelt aus falschem Lachen und falschen Menschen - samt jener Ausgestoßenen, die keine Social-Media-Punkte mehr haben. Gruselig: Ein Unternehmen in China stellte nun ein ähnliches Score-System für Personen vor.

David Dettmann / Netflix

"Star Trek" oder was?
In der bemerkenswertesten Folge der vierten Staffel "Black Mirror" sieht es verdächtig nach "Star Trek" aus. Die "U.S.S. Callister" entstammt aber dem Hirn eines gemobbten Nerd-Programmierers, der in der von ihm gestalteten virtuellen Realität den coolen Macker gibt. Während er in der echten Welt wie ein Zombie herumliegt und mit dem Hirn am PC hängt, hält er sich im Raumschiff durch DNA extrahierte, digitale Klone seiner verhassten Kollegen.

Netflix

Back to the 80s!
Ähnliche Technik: "San Junipero", eine der am meisten gefeierten "Black Mirror"-Episoden, versetzt den Zuschauer zunächst in eine klischeehafte 80er-Jahre-Welt. Dahinter steckt jedoch eine revolutionäre Erfindung: Nach dem Tod kann man "sich" und seine Persönlichkeit von einem Unternehmen auf einen Server laden lassen, und sich dort mit dem jüngeren digitalen Ich auf ewig im gewünschten Jahrzehnt vergnügen. Grandios oder gruselig?

David Dettmann / Netflix

Altered Carbon
Auf eine ähnliche Vision setzt Netflix mit einer anderen Serie - allerdings weitaus pessimistischer: In "Altered Carbon" spielt der Tod keine Rolle mehr, weil der Verstand digitalisiert in der Cloud abgespeichert ist und jederzeit in einen künstlich hergestellten Körper ("Sleeves") transferiert werden kann.

Netflix

Luftdicht verpackte Unsterblichkeit
Während sich ein großes Unternehmen mit der Idee eine goldene Nase verdient und die "neuen" Körper für die Toten angemessen vakuumverpackt ausliefert, protestieren religiöse Gruppen gegen diese Form des ewigen Lebens. Mit dem Untertitel "Das Unsterblichkeitsprogramm" verspricht die SciFi-Serie ab 2.2. düstere Cyberpunk-Unterhaltung im Stil von "Blade Runner".

Netflix

Real Humans
In der vielbeachteten schwedischen Serie "Real Humans" sind in nicht allzu ferner Zukunft Roboter nicht nur intelligente Helfer, sondern auch ein Massenprodukt. "Hubots" sollen tägliche Arbeiten übernehmen - und zwischenmenschliche Lücke füllen.

WVG

Maschinen mit Wünschen
Sie können putzen, einkaufen, arbeiten und werden sogar zum Liebhaber. Doch einige der "Hubots" sind mit ihrem Dasein als Eigentum nicht mehr zufrieden. Im Laufe der Zeit entwickeln sie Gedanken, Gefühle - und eigene Wünsche. In den USA wurde die Serien-Adaption "Humans" entwickelt.

WVG

Orphan Black
Ebenfalls weniger bekannt, dafür mit großer Fangemeinde: "Orphan Black" und seine gleich mehrfache Hauptdarstellerin. In der vielfach ausgezeichneten Mystery-Serie experimentiert das Militär mit menschlichen Klonen. Die talentierte Tatiana Maslany verkörpert die Klone Rachel, Alison, Cosima und Sarah (von links). Eine düstere Zukunftsvision, die sich Fragen nach dem ethischen Umgang und den Rechten von humanen "Kopien" nähert.

Polyband / Orphan Black II Productions Limited 2014

Westworld
Rechtlose Menschen-Kopien bevölkern auch die gefeierte SciFi-Serie "Westworld", die 2018 auf HBO und Sky in Staffel 2 gehen soll. Darin vergnügen sich echte Menschen in einem gigantischen Western-Freizeitpark, in dem mit Bewusstsein ausgestattete Roboter eine Welt imitieren. In Staffel 1 begehrten die Maschinen gegen ihre Schöpfer auf - in der Fortsetzung soll man mehr über andere fragwürdige Vergnügungsparks erfahren - etwa zum Thema Samurai.

2016 Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO

3%
Im brasilianischen Netflix-Geheimtipp "3%" gibt es eine beängstigende Erfindung sozialer Art: Jugendliche müssen ab einem gewissen Alter bisweilen tödlich endende Tests bestehen, um zu den drei Prozent der Bevölkerung auf einer verheißungsvollen Oberschichts-Insel zu gehören. In der futuristischen Testanlage wartet auf die Jugendlichen in dieser Dystopie neben Puzzles vor allem psychischer Terror.

Netflix

Trepalium - Stadt ohne Namen
Auch in der französischen SciFi-Miniserie "Trepalium - Stadt ohne Namen" ist die Welt geteilt - in eine Stadt, in der die 20 Prozent Arbeitenden leben, und eine "Zone" hinter einer Mauer, in der die Arbeitslosen ums Überleben kämpfen. Während Letztere eine Revolution anzetteln wollen, hält die autoritäre Regierung die Stadtbewohnter mit stupider Arbeitsroutine an sinnlosen Computern unter Kontrolle.

ARTE France / Kelija / Jean-Claude Lother

Verstörend faszinierend: Die irrsten Zukunfts-Visionen in Serien

von teleschau - der mediendienst in Galerien

Ein militärisches Klon-Programm, ein Kinder-Gehirnimplantat für Helikoper-Eltern, ein elitäre Gesellschaft, in der man nach Social-Media-Likes gemessen wird: Geht es nach den Serienmachern, sieht unsere Zukunft meist reichlich düster aus. Doch gibt auch Lichtblicke. Genau dieser Ambivalenz widmet sich auch die neue Amazon-Serie "Philip K. Dicks's Electric Dreams" (ab 12.1.), die auf den Stories des SciFi-Starautors basiert. Mit "Black Mirror" ging kürzlich ein weiteres Meisterwerk technischer Zukunftsvorstellungen auf Netflix in die vierte Staffel. Unsere Galerie zeigt die irrsten Zukunftsvisionen - hervorgebracht von den Kreativköpfen hinter den Serien.