Julia Franz Richter spielt in der neuen ARD-Serie "Gestüt Hochstetten" (Samstag, 20. Januar, 20.15 Uhr) die Protagonistin Alexandra Winkler, die einen ganzen Pferdehof erbt.

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"Die versierteste Reiterin bin ich nicht", lacht Julia Franz Richter auf ihren durchaus Pferdesport-affinen Part in "Gestüt Hochstetten" angesprochen.

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Nach ihrem Fernsehdebüt im "Tatort: Wehrlos" ist Julia Franz Richter (dritte von links) jetzt neben Laurence Rupp, Patricia Aulitzky, Jeanette Hain, Christoph Luser, Michou Friesz zu sehen. Für ihre Rolle erlernte sie den österreichischen Dialekt neu.

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Julia Franz Richter (links, mit Patricia Aulitzky) verrät, sie sei neben einem Bauernhof aufgewachsen. So lernte sie die Tiere spielerisch kennen.

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"Schauspieler und Schauspielerinnen sind in der Regel eher schlecht bezahlte Akademiker", findet Julia Franz Richter, die die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz besuchte.

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Ihr Schauspieldebüt gab Julia Franz Richter (mit Simon Hatzl) im "Tatort: Wehrlos". Vor dem Dreh sei sie "furchtbar nervös" gewesen, erzählt die 26-Jährige.

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Julia Franz Richter

Julia Franz Richter – Im Galopp in die Schauspielkarriere

von Anke Waschneck in Stars

"Ruhig bleiben!" - Das ist ein gut gemeinter Ratschlag, den Jungschauspielerin Julia Franz Richter von erfahrenen Darstellern am Anfang ihrer Karriere gerne mal bekommen hat. Die Nervosität, die manch ein Anfänger mitbringe, multipliziere sich schließlich durch die Linse einer Kamera und auf dem Bildschirm. Aber die 26-Jährige hat ihr Handwerk gelernt und offensichtlich auch den Rat der älteren Kollegen verinnerlicht, denn die Österreicherin wirkt absolut souverän in ihren großen TV-Rollen. Wobei: Klein angefangen hat die in der Wiener Neustadt Geborene ja nicht: Ihren ersten Fernsehauftritt hatte sie vor über einem Jahr im Wiener "Tatort: Wehrlos", und nun ist sie schon in ihrer ersten Serienhauptrolle zu sehen. Die Reiterhofsaga "Gestüt Hochstetten" läuft ab Samstag, 20. Januar, zur besten Sendezeit im Ersten. Was für eine Bühne! - Doch die Newcomerin hält sich erst gar nicht damit auf, über sich selbst zu staunen, schließlich geht es weiter Schlag auf Schlag: Auf der Berlinale 2018 wird das Coming-of-Age-Drama "L'Animale" von Katharina Mückstein laufen, in dem Julia Franz Richter ebenfalls eine Hauptrolle spielt.

"Die versierteste Reiterin bin ich nicht", lacht Julia Franz Richter auf ihren durchaus Pferdesport-affinen Part in "Gestüt Hochstetten" angesprochen. Doch die Wahlmünchnerin erklärt, sie sei neben einem Bauernhof aufgewachsen und habe so die Tiere in einem spielerischen Umgang kennengelernt. In der Serie spielt sie Alexandra Winkler, die ihr Leben lang dachte, sie sei Waise. Plötzlich erfährt die Angestellte eines Backhandels, dass sie von dem ihr unbekannten, nun verstorbenen Vater ein ganzes Gestüt erben soll und dass sie drei Halbgeschwister hat, die ganz in der Nähe leben. Denen missfällt es extrem, dass ihr Familienbesitz an die "verlorene Schwester" fällt. Keine Frage, die Rolle für Julia Franz Richter hat es in sich: Alexandra ist die klassische Außenseiterin, die nicht nur mit so manchen Eigenheiten ihrer Mitmenschen klarkommen muss, sondern auch mit zahlreichen Tieren, insbesondere Pferden, auf Tuchfühlung geht.

Versteht sich, dass in der österreichischen Serie "Gestüt Hochstetten", die in der Alpenrepublik unter dem Titel "Trakehnerblut" ausgestrahlt wurde, auch österreichischer Dialekt gesprochen wird. Für die in Wiener Neustadt geborene Schauspielerin natürlich kein Problem, möchte man meinen. Doch Julia Franz Richter betont das Gegenteil: "Meine Mutter wollte nie, dass wir Dialekt sprechen." In der Schauspielschule in Graz, wo sie ihr Studium 2016 abschloss, wurde Bühnendeutsch gelehrt, doch die Wienerin bedauert, "dass sie auf Bühnen im deutschsprachigen Raum oftmals die Eigenheiten und Färbungen in der Sprache, die jeder Mensch mitbringt, vermisst".

Julia Franz Richter unterstreicht, es sei ihr wichtig ihre Rollen mit einer großen Sensibilität zu hinterfragen und zu gestalten. Immerhin stecke in jeder Figur auch ein Teil von ihr selbst. Mit ihrer Leistung und Persönlichkeit überzeugte sie auch die Caster beim "Tatort: Wehrlos", die der 26-Jährigen ihren ersten, wenn auch alles andere als einfachen TV-Auftritt bescherten. Sie erinnert sich, sie sei in der Zeit vor dem Dreh "furchtbar nervös" gewesen. Immerhin musste sie sich für die Aufnahmen teilweise entblößen. Ein Thema, an das sie allerdings sehr professionell heranging. "Es ist grundsätzlich kein Problem, so lange die Nacktheit nicht zum Selbstzweck wird und instrumentalisiert wird oder zur Provokation dienen soll, was ich absurd finde, weil ich einen nackten Körper an sich erst mal nicht als etwas Provokantes empfinde", meint sie. Im Hinblick auf die Missbrauchsskandale in Hollywood, ergänzt Julia Franz Richter: "Das ist nichts, was nur die Schauspielerei betrifft. Es gibt viele Institutionen, Bereiche und Berufe, wo sexuelle Belästigung und Missbrauch ein Thema sind, und wo streng patriarchal geprägte Strukturen Sexismus erleichtern. Es gilt aber gerade in einer so massenwirksamen Branche unbedingt zu hinterfragen, wie Frauen dargestellt werden: als begehrendes Subjekt oder als begehrtes Objekt?"

Anfänger würden aber natürlich auch andere Fragen beschäftigen: "Schauspieler und Schauspielerinnen sind in der Regel eher schlecht bezahlte Akademiker", findet Julia Franz Richter. "Gerade am Beginn der Karriere fehlt häufig das Netzwerk, um frei arbeiten zu können." Da gäbe es auch "das Gefühl, als Bittstellerin behandelt zu werden", erklärt sie weiter. "Und gerade dann zu sich zu stehen und herauszufinden, was man eigentlich vom Beruf will, ist natürlich nicht leicht."

Was die Jungschauspielerin mit dem ungewöhnlichen Mittelnamen - eine alte Familientradition, dass ihn die Erstgeborenen tragen- in näherer Zukunft vorhat: Drei Wochen lang dreht sie einen Kinofilm in Spanien, und am Münchner Volkstheater ist sie weiterhin auf der Bühne zu sehen. Von einem Millionenerbe, wie es ihre Figur Alexandra Winkler in "Gestüt Hochstetten" erhält, sei sie dann aber doch noch meilenweit entfernt, räumt sie lachend ein. Fragt man die Schauspielerin, was sie denn mit einem unverhofften Batzen Geld anstellen würde, kommt prompt eine Antwort, die einiges über die Lebenseinstellung der 26-Jährige verrät: "Ich habe schon immer den Traum von einem Kollektiv, also einer Gruppe, die zusammenarbeitet, und die zusammen künstlerisch tätig ist. Und für ein derartiges Projekt benötigt man natürlich auch finanzielle Mittel."