Eine Familie auf der Flucht: "The Gifted" erzählt eine zeitgemäße Geschichte aus dem "X-Men"-Universum.

2017 Fox and its related entities / Marvel. All rights reserved.


Eigentlich ein unscheinbarer Einzelgänger, stecken in Andy Strucker (Percy Hynes White) ungefähr die selben zerstörischen Kräfte wie in "Carrie". Wenn er schreit, dann bricht die Welt zusammen.

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Lauren (Natalie Alyn Lind) kann Materie auf molekularer Ebene manipulieren. Dass sie eine Mutantin ist, hat sie jahrelang vor ihrer Familie verheimlicht.

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Reed (Stephen Moyer) und Caitlin Strucker (Amy Acker) müssen überlegen, wie sie ihre Kinder vor den Behörden retten.

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Bevor er wusste, dass seine eigenen Kinder Mutanten sind, hat Reed Strucker (Stephen Moyer) als Staatsanwalt "auffällige" Jugendliche weggesperrt.

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Eine Familiensache

von Andreas Fischer in TV

Niemand kann ihnen sagen, ob es die "X-Men" wirklich gibt. Dabei bräuchten die Struckers dringend die Hilfe der geheimen Mutanten-Bruderschaft. Der Nachwuchs der Familie aus der US-Mittelschicht ist nämlich mit Superkräften gesegnet - und das kommt bei den Behörden gar nicht gut an. Das Pikante dabei: Vater Reed Strucker arbeitet selbst als Mutantenjäger. Mit reichlich Konfliktpotenzial geht die neue Marvel-Serie "The Gifted" nun auch in Deutschland an den TV-Start - und leistet sich den Luxus, den mutierten Nachwuchssuperhelden und ihrem familiären Umfeld Raum zur Entfaltung ihrer Persönlichkeiten zu lassen. Der Pay-TV-Kanal FOX zeigt die 13 Episoden ab 17. Januar immer mittwochs, ab 21 Uhr.

Dass Mutanten derzeit im Trend sind - egal ob im Kino wie bei den "X-Men" oder als Serie wie in "Legion" und Marvels missglücktem ABC-Experiment "The Inhumans" - ist die Folge einer sich verändernden Gesellschaft, die außergewöhnlichen Menschen, die "Anderen" mit immer mehr Angst und Misstrauen begegnet. "The Gifted" tut gut daran, den Zerfall der Zivilisation zum Kernthema zu machen.

Das gibt der Serie, die von "X-Men"-Veteran Bryan Singer mitproduziert und teilweise inszeniert wurde, eine Relevanz, die ihr gut zu Gesicht steht. Ausgrenzung, staatliche Willkür, generelle Verdächtigungen nach stereotypen Rassenmustern - das ist ja alles nichts, was sich Comicautoren ausgedacht haben. Sie reflektieren nur die gesellschaftliche Realität. Dass das Abendland Angst vor seinem Untergang hat, ist durchaus berechtigt. Allerdings können dafür mitnichten (illegale) Einwanderer und Flüchtlinge oder - wie in "The Gifted" - Menschen mit besonderen Fähigkeiten verantwortlich gemacht werden. Der Untergang ist hausgemacht.

In der neuen Serie aus dem Marvel-Universum wird das ziemlich klug in eine ansonsten ziemlich gewöhnliche Dramaserie verpackt. Reed Strucker (Stephen Moyer, "True Blood") sperrt als Staatsanwalt "auffällige" Jugendliche in Hochsicherheitsgefängnisse. Er ist Teil des Systems und macht halt seinen Job, den erst hinterfragt, als er entdeckt, dass seine beiden Kinder selbst Mutanten sind. Lauren (Natalie Alyn Lind) hat sich mit ihren Fähigkeiten seit längerer Zeit arrangiert, ihr jüngerer Bruder Andy (Percy Hynes White) wird von ihnen nach einer Bully-Attacke überrascht.

Dass der Staat in jedem Mutanten eine Gefahr für seine Existenz sieht, ist Reed nur allzu bewusst. Die Familie muss fliehen - aber es gibt keinen Ort in den USA, der wirklich sicher ist. Also suchen die Struckers im Untergrund, bei all den anderen Verfolgten, Zuflucht. Wenngleich die Dramaturgie nicht immer stimmig ist, wird das alles emotional packend und visuell beeindruckend erzählt. Im Kern aber geht es aber ohnehin um mehr als klassische TV-Unterhaltung.