"In welchem Ausmaß das geschah, war mir nicht bewusst": Die MeToo-Debatte überraschte Martina Gedeck.

Andreas Rentz/Getty Images


Sind künstlerisches Werk und Verhalten zwei Paar Schuhe? "Wenn sich jemand bei der Arbeit als Arschloch entpuppt, kann man das nicht trennen", sagt Martina Gedeck.

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Brillant verkörpert Martina Gedeck in "Wir töten Stella" die schweigende, apathische Anna.

2017 epo-film / Picture Tree / AV-Visionen GmbH

Martina Gedeck

Martina Gedeck – „Entweder halte ich meinen Mund – oder sage: So nicht“

von teleschau - der mediendienst in Stars

Sie selbst spielt oft verletzliche Frauen, die an der männlichen Welt scheitern: Martina Gedeck, die Meisterin der abgründigen Figuren, verkörpert in ihrem neuen Kino-Drama "Wir töten Stella" (Kinostart: 18.1.) eine schweigende, unterdrückte Ehefrau. Der 56-Jährigen zufolge auch ein Beitrag zur MeToo-Debatte - in Film wie Realität hieße es nicht selten: "Naja, wird schon vorbeigehen, ist nicht so schlimm, gehört dazu, sie wird ohnehin solche Erfahrungen machen, besser jetzt als später - all diese Gründe, die man anführt. Das ist bei der Weinstein-Debatte ähnlich gewesen", erklärte die Schauspielerin gegenüber der Nachrichtenagentur teleschau.

Sie habe "die Vehemenz überrascht, mit der die Debatte stattfand. Erst diese Spitze des Eisbergs, und dann ziehen alle nach", so Gedeck. "In welchem Ausmaß das geschah, war mir nicht bewusst. Wer da alles engagiert wurde, dass die Betroffenen das Maul halten." Persönlich habe sie als junge Frau derlei Erfahrungen zwar nicht gemacht, jedoch: "Die Männer waren zu dieser Zeit sehr machohaft unterwegs - das habe ich schon mitbekommen." Trennen könnte sie die künstlerische Arbeit von derlei Verhalten nicht, so Gedeck weiter: "Wenn sich jemand bei der Arbeit als Arschloch entpuppt, kann man das nicht trennen. Wenn ich mit denen arbeite, bekomme ich ja mit, wenn das ein Arschloch ist. Entweder halte ich meinen Mund - oder sage: So nicht."

Statt nur noch starker Frauenfiguren solle man Gedeck zufolge in Film und Fernsehen aber weiterhin auch die bisweilen schmerzhafte Realität zeigen: "Damit wir sehen: Wir sind noch nicht so stark; es gibt viele Frauen, die zu ihren schlagenden Männern zurückkehren; die laufend Gewaltsituationen ausgeliefert sind. Wenn man einen solchen Kampf zeigt, der oft aussichtslos erscheint, macht man die Leute eben auch wütend."